Kurze Definition
Die Eigenverbrauchsquote beschreibt, welcher Anteil der erzeugten Energie innerhalb des betrachteten Energiesystems genutzt und nicht in das öffentliche Netz eingespeist wird. Im hier betrachteten PV-System bezieht sich die Kennzahl auf die erzeugte PV-Energie und wird für einen festgelegten Zeitraum berechnet.
Die Eigenverbrauchsquote auf einen Blick
- Die Eigenverbrauchsquote setzt die selbst genutzte PV-Energie ins Verhältnis zur gesamten PV-Erzeugung.
- Zur selbst genutzten PV-Energie können der direkte Verbrauch und die in einem BESS zwischengespeicherte, später am Standort genutzte PV-Energie zählen.
- Eine hohe Eigenverbrauchsquote bedeutet nicht automatisch, dass ein Standort einen großen Teil seines Gesamtverbrauchs selbst deckt.
Wie wird die Eigenverbrauchsquote berechnet?
Die Eigenverbrauchsquote wird üblicherweise für einen Tag, Monat oder ein gesamtes Jahr berechnet:
In einem einfachen System mit ausschließlich PV-Erzeugung, eindeutig zuordenbarer Netzeinspeisung und ohne netzgeladene oder ins Netz zurückgespeiste BESS-Energie lässt sich die selbst genutzte PV-Energie vereinfacht als Differenz bestimmen:
Erzeugt eine PV-Anlage innerhalb eines Jahres 100 MWh und speist davon 30 MWh in das öffentliche Netz ein, ergibt sich nach dieser vereinfachten Berechnung eine selbst genutzte PV-Energie von 70 MWh. Die Eigenverbrauchsquote beträgt damit:
Die 70 MWh können unmittelbar von Verbrauchern genutzt oder teilweise in einem BESS zwischengespeichert werden. Ob Speicherverluste und eine am Ende des Betrachtungszeitraums noch gespeicherte Energiemenge dem Eigenverbrauch zugerechnet werden, hängt von der festgelegten Berechnungsmethode ab.
Typische Anwendungen der Eigenverbrauchsquote
Die Eigenverbrauchsquote dient vor allem zur Bewertung und Überwachung von PV-Anlagen in Gewerbe-, Industrie- und anderen Eigenverbrauchssystemen. Sie kann unter anderem für folgende Aufgaben verwendet werden:
- Betreiber können erkennen, welcher Anteil der PV-Erzeugung am Standort verbraucht beziehungsweise für eine spätere Nutzung gespeichert wird.
- Planer können unterschiedliche Dimensionierungen von PV-Anlagen und BESS miteinander vergleichen.
- Im laufenden Monitoring lassen sich zeitliche Entwicklungen sowie Veränderungen im Last- oder Erzeugungsprofil untersuchen.
- Die Kennzahl unterstützt die Bewertung von Maßnahmen zur Eigenverbrauchsoptimierung, beispielsweise durch Lastverschiebung oder den Einsatz eines BESS.
Abgrenzung zwischen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad
Die beiden Kennzahlen verwenden unterschiedliche Bezugsgrößen und beantworten deshalb verschiedene Fragen:
| Kennzahl | Bezugsgröße | Aussage |
|---|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | PV-Erzeugung | Welcher Anteil der erzeugten PV-Energie wird selbst genutzt? |
| Autarkiegrad | Gesamtverbrauch | Welcher Anteil des Verbrauchs wird durch PV und gegebenenfalls BESS gedeckt? |
Eine kleine PV-Anlage kann nahezu ihre gesamte Erzeugung am Standort nutzen und damit eine hohe Eigenverbrauchsquote erreichen. Wenn der Gesamtverbrauch deutlich größer ist, bleibt der Autarkiegrad trotzdem niedrig.
Nutzen, Grenzen und erforderliche Messwerte
Die Eigenverbrauchsquote ermöglicht eine kompakte Bewertung der lokalen Nutzung von PV-Energie. Für die wirtschaftliche und technische Einordnung sollte sie jedoch gemeinsam mit dem Autarkiegrad, der absoluten PV-Erzeugung, dem Standortverbrauch und den zeitlichen Energieflüssen betrachtet werden.
Für eine belastbare Berechnung werden zeitlich konsistente Werte zur PV-Erzeugung und zur eindeutig zuordenbaren Netzeinspeisung benötigt. Bei komplexeren Anlagen müssen zusätzlich der Netzbezug sowie die Lade- und Entladeflüsse des BESS berücksichtigt werden. Dabei ist festzulegen, ob Speicher- und Umwandlungsverluste sowie eine Veränderung des Ladezustands über den Bilanzzeitraum als Eigenverbrauch behandelt werden.
Wird ein BESS auch aus dem Netz geladen oder speist es Energie in das öffentliche Netz zurück, kann die vereinfachte Differenzrechnung zu falschen Zuordnungen führen. Gleiches gilt bei weiteren Erzeugern, mehreren Netzanschlusspunkten, unterschiedlichen Messintervallen oder Zählerausfällen. Die Kennzahl sollte deshalb immer zusammen mit Zeitraum, Systemgrenze, Messkonzept und Berechnungsmethode angegeben werden.
Wie unterstützt EcoPhi die Auswertung?
EcoPhi kann Messwerte zur PV-Erzeugung, zum Standortverbrauch, zur Netzeinspeisung, zum Netzbezug und zu den Energieflüssen eines BESS zusammenführen. Daraus lassen sich die Eigenverbrauchsquote, der Autarkiegrad und zeitliche Energieflüsse visualisieren und über definierte Zeiträume auswerten.
Die konkrete Auswertung hängt von den verfügbaren Messwerten und Geräteschnittstellen ab. Wechselrichterdaten allein reichen häufig nicht aus. Insbesondere für die Erfassung von Netzbezug und Netzeinspeisung ist normalerweise ein geeigneter Zähler am Netzanschlusspunkt erforderlich.
Eigenverbrauchsquote zusammengefasst
Die Eigenverbrauchsquote zeigt, welcher Anteil der erzeugten PV-Energie direkt verbraucht oder für eine spätere Nutzung am Standort gespeichert wird. Bei BESS, weiteren Erzeugern oder komplexen Energieflüssen muss die Berechnungsmethode eindeutig definiert und an das Messkonzept angepasst werden.
Häufige Fragen zur Eigenverbrauchsquote
Ist eine hohe Eigenverbrauchsquote immer wirtschaftlich vorteilhaft?
Nicht zwangsläufig. Die wirtschaftliche Bewertung hängt unter anderem von den Strombezugskosten, der Einspeisevergütung, den Investitionen in ein BESS und den entstehenden Energieverlusten ab.
Zählt das Laden eines BESS als Eigenverbrauch?
PV-Energie, die in einem BESS gespeichert und später am Standort genutzt wird, kann dem Eigenverbrauch zugerechnet werden. Die Behandlung von Speicherverlusten und einer am Periodenende noch gespeicherten Energiemenge muss in der Berechnungsmethode festgelegt sein.
Kann die Eigenverbrauchsquote mehr als 100 Prozent betragen?
Nein. Ein Wert über 100 Prozent weist auf fehlerhafte Messwerte, nicht übereinstimmende Zeiträume, ungeeignete Systemgrenzen oder eine falsche Zuordnung von Energieflüssen hin.
Welche Messgeräte werden benötigt?
In einem einfachen PV-System sind mindestens belastbare Werte zur PV-Erzeugung und zur Netzeinspeisung erforderlich. Bei weiteren Erzeugern oder komplexen BESS-Flüssen werden zusätzliche Messwerte zum Netzbezug, Standortverbrauch sowie zur Lade- und Entladeenergie benötigt.
