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Predictive Maintenance bezeichnet die vorausschauende Instandhaltung auf Grundlage von Betriebs-, Zustands- und historischen Messdaten. Ziel ist es, beginnende Abweichungen, Verschleiß oder eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit frühzeitig zu erkennen und Wartungsmaßnahmen am tatsächlichen beziehungsweise prognostizierten Zustand einer Anlage auszurichten.

Predictive Maintenance kurz zusammengefasst

  • Predictive Maintenance wertet aktuelle und historische Betriebsdaten aus, um auffällige Entwicklungen möglichst vor einem Ausfall zu erkennen.
  • Regeln, statistische Verfahren oder Machine-Learning-Modelle vergleichen das Anlagenverhalten mit Referenzwerten, ähnlichen Komponenten oder erwarteten Betriebszuständen.
  • Die Ergebnisse liefern Hinweise für Inspektionen und Wartungsmaßnahmen, ersetzen jedoch nicht automatisch eine technische Fehlerdiagnose.
  • Aussagekräftige Prognosen setzen verlässliche Messdaten, ausreichende Datenhistorien und geeignete Vergleichsmodelle voraus.

Wie funktioniert Predictive Maintenance?

Die Grundlage von Predictive Maintenance bildet die kontinuierliche oder regelmäßige Erfassung relevanter Betriebsdaten. Je nach Anlage gehören dazu Leistung, Spannung, Strom, Temperatur, Wirkungsgrad, Schaltzyklen, Betriebsstunden, Fehlermeldungen und Kommunikationsqualität. Bei Batteriespeichersystemen können zusätzlich gemessene Größen wie Zellspannungen und Temperaturen sowie vom Battery Management System (BMS) berechnete oder geschätzte Zustandsgrößen wie State of Charge (SoC), State of Health (SoH) oder verfügbarer Energieinhalt einbezogen werden.

Die Analyse kann unterschiedlich komplex erfolgen. Einfache Verfahren überwachen Grenzwerte oder erkennen, ob sich ein Messwert über einen längeren Zeitraum in eine kritische Richtung entwickelt. Statistische Modelle vergleichen das aktuelle Verhalten mit historischen Daten, vergleichbaren Komponenten oder einem erwarteten Betriebsprofil. Machine-Learning-Modelle können komplexere Muster und Zusammenhänge untersuchen, benötigen dafür aber geeignete Trainingsdaten und eine sorgfältige Validierung.

Ein Alarm oder eine erkannte Abweichung ist zunächst nur ein Hinweis. Sinkende PV-Leistung kann beispielsweise durch Verschmutzung, Verschattung, Bewölkung, Alterung, einen Messfehler oder eine technische Störung verursacht werden. Predictive Maintenance muss deshalb Anlagenzustand, Betriebsbedingungen und externe Einflussfaktoren möglichst gemeinsam berücksichtigen.

Im Unterschied zur kalenderbasierten vorbeugenden Wartung werden Maßnahmen nicht ausschließlich nach festen Zeitintervallen geplant. Bei der zustandsbasierten Instandhaltung werden Maßnahmen anhand des aktuell ermittelten Anlagenzustands ausgelöst. Predictive Maintenance ergänzt diesen Ansatz um die Prognose der zukünftigen Zustandsentwicklung, des voraussichtlichen Wartungsbedarfs oder einer erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeit.

Typische Anwendungsfälle von Predictive Maintenance

Bei PV-Anlagen können unter anderem sinkende Stringleistungen, ungewöhnliche Wechselrichtertemperaturen, wiederkehrende Kommunikationsausfälle oder eine zunehmende Anzahl von Neustarts erkannt werden. Der Vergleich ähnlicher Strings oder Wechselrichter hilft dabei, technische Auffälligkeiten von unterschiedlichen Betriebsbedingungen zu unterscheiden. Die Erkennung solcher Auffälligkeiten ist zunächst Teil des Condition Monitorings. Zu Predictive Maintenance wird die Auswertung, wenn aus ihrer zeitlichen Entwicklung ein zukünftiger Wartungsbedarf oder ein erhöhtes Ausfallrisiko abgeleitet wird.

Bei BESS können unter anderem ein ermittelter Kapazitätsverlust, ein geschätzter Anstieg des Innenwiderstands, auffällige Temperaturverteilungen und zunehmende Zellspannungsdifferenzen relevante Zustandsindikatoren sein. Welche Größen verfügbar sind und wie zuverlässig sie bestimmt werden können, hängt vom eingesetzten BMS, dessen Berechnungsverfahren und der Kommunikationsschnittstelle ab.

Auch Zähler, Sensoren, Schaltgeräte und Kommunikationskomponenten lassen sich überwachen. Eine zunehmende Zahl unplausibler Messwerte oder Verbindungsabbrüche kann beispielsweise auf Sensorfehler, Netzwerkprobleme oder instabile Geräteschnittstellen hinweisen.

Nutzen, Grenzen und technische Voraussetzungen

Predictive Maintenance kann ungeplante Stillstände reduzieren, Wartungseinsätze besser priorisieren und die Fehlersuche unterstützen. Betreiber erhalten frühzeitig Hinweise auf auffällige Entwicklungen und können Inspektionen gezielter vorbereiten. Ob dadurch tatsächlich Kosten oder Ausfallzeiten sinken, hängt jedoch von der Erkennungsqualität, der Kritikalität der Komponenten und den verfügbaren Handlungsmöglichkeiten ab.

Für belastbare Ergebnisse werden konsistente Messdaten, korrekte Zeitstempel, geeignete Abtastraten und eine ausreichende Datenhistorie benötigt. Ebenso wichtig sind Informationen über Betriebszustände und äußere Einflüsse. Ohne Einstrahlungs- oder Temperaturdaten kann beispielsweise schwer zu beurteilen sein, ob eine geringere PV-Leistung technisch bedingt ist.

Fehlende Daten, geänderte Betriebsbedingungen, fehlerhafte Sensoren oder ungeeignete Referenzmodelle können Fehlalarme und übersehene Fehler verursachen. Seltene Ausfallarten sind zudem schwierig vorherzusagen, wenn nur wenige vergleichbare Ereignisse vorliegen. Kritische Warnungen sollten deshalb durch technische Prüfungen und eine fachkundige Bewertung ergänzt werden.

Predictive Maintenance mit EcoPhi

EcoPhi kann Betriebsdaten verschiedener Komponenten erfassen, zusammenführen und historisch auswertbar machen. Konfigurierbare Grenzwerte, Trendanalysen, Dashboards und Alarmierungen unterstützen dabei, Abweichungen und wiederkehrende Auffälligkeiten frühzeitig sichtbar zu machen. Diese Funktionen stellen für sich genommen noch keine Ausfallprognose dar, können jedoch die erforderliche Datenbasis für projektspezifische Verfahren liefern.

Ob eine belastbare Ausfall- oder Restlebensdauerprognose möglich ist, hängt von der Datenqualität, der verfügbaren Datenhistorie, geeigneten Referenzmodellen und der projektspezifischen Analysefunktion ab. Die konkrete Umsetzung richtet sich außerdem nach den verfügbaren Geräteschnittstellen und Messwerten.

Predictive Maintenance zusammengefasst

Predictive Maintenance nutzt Betriebs- und Zustandsdaten, um zukünftigen Wartungsbedarf möglichst frühzeitig zu erkennen. Das Verfahren kann Anlagenverfügbarkeit und Wartungsplanung verbessern, liefert aber keine automatische Gewissheit über die Fehlerursache. Entscheidend sind verlässliche Daten, passende Prognosemodelle und eine fachkundige Bewertung der Ergebnisse.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Predictive und Preventive Maintenance?

Preventive Maintenance erfolgt häufig nach festen Zeit- oder Nutzungsintervallen. Predictive Maintenance richtet Wartungsmaßnahmen dagegen am ermittelten und prognostizierten Anlagenzustand aus.

Wie unterscheiden sich Condition Monitoring und Predictive Maintenance?

Condition Monitoring erfasst und bewertet den aktuellen Zustand einer Anlage. Predictive Maintenance nutzt diese Informationen und ihre zeitliche Entwicklung, um zukünftigen Wartungsbedarf oder ein erhöhtes Ausfallrisiko abzuschätzen.

Ist für Predictive Maintenance immer künstliche Intelligenz erforderlich?

Nein. Auch Trendanalysen und statistische Verfahren können eingesetzt werden. Machine Learning ist vor allem dann sinnvoll, wenn ausreichend hochwertige Daten vorhanden sind und komplexe Muster erkannt werden sollen.

Welche Daten können bei PV-Anlagen relevant sein?

Je nach Analyseziel und Anlagenaufbau können unter anderem Leistung, Spannung, Strom, Wechselrichtertemperaturen, Statusmeldungen und Kommunikationsdaten relevant sein. Für die Einordnung sollten außerdem äußere Einflussgrößen wie Sonneneinstrahlung und Umgebungstemperatur berücksichtigt werden.

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