Inhaltsverzeichnis

Ein Lastprofil beschreibt den zeitlichen Verlauf der elektrischen Leistungsaufnahme eines Verbrauchers, Gebäudes oder Standorts. Es zeigt, wann Leistung benötigt wird und wie stark der Bedarf innerhalb eines Tages, einer Woche oder eines Jahres schwankt. Bei Standorten mit eigener Erzeugung oder BESS ist zwischen dem tatsächlichen Verbrauchsprofil und dem am Netzanschlusspunkt gemessenen Nettoleistungsfluss zu unterscheiden.

Lastprofile kurz zusammengefasst

  • Ein Lastprofil stellt elektrische Leistung in Abhängigkeit von der Zeit dar und macht Grundlast, Lastspitzen und Betriebszeiten sichtbar.
  • Die zeitliche Auflösung muss zur Anwendung passen. Je nach Analyse können Sekunden-, Minuten- oder 15-Minuten-Werte erforderlich sein.
  • Lastprofile bilden eine wichtige Grundlage für Stromkostenanalysen sowie für die Dimensionierung und Betriebsstrategie von PV-Anlagen und BESS.
  • Ein Gesamtlastprofil erklärt nicht automatisch, welche Maschinen oder Prozesse den gemessenen Leistungsbedarf verursachen.

Wie wird ein Lastprofil erfasst und ausgewertet?

Ein Energiezähler erfasst die elektrische Leistung oder die innerhalb eines Messintervalls geflossene Energie. Die Messwerte werden mit einem Zeitstempel gespeichert und anschließend als Zeitreihe dargestellt. Während die Leistung üblicherweise in Kilowatt angegeben wird, beschreibt die Energie in Kilowattstunden den Verbrauch über einen bestimmten Zeitraum.

Die geeignete Messauflösung hängt von der Fragestellung ab. 15-Minuten-Werte können für langfristige Verbrauchsanalysen, Abrechnungsdaten und größere Lastspitzen ausreichen. Minuten- oder Sekundenwerte sind erforderlich, wenn kurze Einschaltvorgänge, schnelle Leistungsschwankungen oder das Verhalten einzelner Maschinen untersucht werden sollen. Werden Messwerte über längere Intervalle gemittelt, können kurze Leistungsspitzen abgeschwächt oder vollständig übersehen werden.

Wichtige Kennwerte sind die Grundlast, die höchste innerhalb der gewählten Messauflösung erfasste Leistung, Dauer und Häufigkeit von Lastspitzen sowie die verbrauchte Energie. Wiederkehrende Muster können auf Produktionszyklen, Schichtmodelle oder bestimmte Betriebsabläufe hinweisen. Ein erhöhter Verbrauch außerhalb der Betriebszeiten kann beispielsweise durch dauerhaft eingeschaltete Anlagen, Stand-by-Verbräuche oder fehlerhafte Betriebszustände entstehen.

Bei Standorten mit PV-Anlage oder BESS misst ein Zähler am Netzanschlusspunkt normalerweise den resultierenden Nettoleistungsfluss. Er zeigt Netzbezug oder Netzeinspeisung, aber nicht automatisch den gesamten Verbrauch des Standorts. Für ein vollständiges Verbrauchsprofil müssen daher auch Erzeugung, Speicherung und gegebenenfalls weitere Energieflüsse berücksichtigt werden.

Wofür werden Lastprofile verwendet?

Lastprofile bilden die Datengrundlage für verschiedene technische und wirtschaftliche Analysen:

  • Lastspitzenkappung: Höhe, Dauer und Zeitpunkt von Lastspitzen werden untersucht, um steuerbare beziehungsweise verschiebbare Verbraucher oder ein BESS für die Begrenzung der maximalen Netzbezugsleistung auszuwählen.
  • Dimensionierung von PV und BESS: Der zeitliche Strombedarf wird mit der erwarteten PV-Erzeugung sowie möglichen Lade- und Entladeleistungen eines BESS verglichen.
  • Eigenverbrauchsoptimierung: Das Lastprofil zeigt, wann Strom benötigt wird und welcher Anteil zeitgleich durch eine PV-Anlage gedeckt oder mithilfe eines BESS zeitlich verschoben werden könnte.
  • Flexible Verbrauchssteuerung: Verschiebbare Prozesse können in Zeiträume mit hoher eigener Erzeugung, niedriger Netzbelastung oder günstigeren Strompreisen verlagert werden.

Darüber hinaus können Lastprofile für Energieaudits, Stromkostenanalysen, die Bewertung von Anschlussleistungen und die Überwachung betrieblicher Veränderungen verwendet werden.

Nutzen, Grenzen und technische Voraussetzungen

Ein aussagekräftiges Lastprofil schafft Transparenz über den zeitlichen Energiebedarf. Es unterstützt dabei, ungewöhnliche Verbrauchsmuster, unnötige Grundlasten und zeitgleich betriebene Verbraucher zu erkennen. Mögliche Einsparungen lassen sich jedoch nicht allein aus der Form der Lastkurve ableiten. Sie hängen unter anderem von den Stromtarifen, den verfügbaren Flexibilitäten und den technischen Steuerungsmöglichkeiten ab.

Ein Messwert am Netzanschlusspunkt zeigt bei einem reinen Verbrauchsstandort die zusammengefasste Leistung der angeschlossenen Verbraucher. Sind zusätzlich Erzeugungsanlagen oder BESS vorhanden, bildet er hingegen den resultierenden Nettoleistungsfluss ab. Die Ursache einer Lastspitze oder Veränderung lässt sich daraus nicht immer eindeutig bestimmen.

Für eine detaillierte Analyse müssen zusätzliche Zähler einzelnen Maschinen, Produktionslinien oder Gebäudebereichen zugeordnet werden. Eine Verknüpfung mit Produktionsmengen, Schichtplänen oder Maschinenzuständen kann die Auswertung weiter verbessern.

Technische Grundlage sind geeignete Energiezähler, eine zuverlässige Datenübertragung und ein System zur Speicherung und Visualisierung der Messwerte. Messintervall, Datenqualität und Zählerposition müssen zum Analyseziel passen. Eine aktive Steuerung setzt zusätzlich steuerbare Verbraucher, Wechselrichter oder BESS sowie geeignete Kommunikationsschnittstellen voraus.

Wie unterstützt EcoPhi die Erfassung von Lastprofilen?

EcoPhi kann Lastprofile am Netzanschlusspunkt sowie für einzelne Verbraucher oder Anlagenteile erfassen, speichern und visualisieren. Je nach Projektkonfiguration können Zählerhierarchien genutzt werden, um Messwerte Maschinen, Bereichen oder Standorten zuzuordnen. Dadurch lassen sich sowohl übergeordnete Energieflüsse als auch einzelne Lastverursacher analysieren.

Ein für das Monitoring eingerichtetes System kann später um aktive EMS-Funktionen wie Lastspitzenkappung, Eigenverbrauchsoptimierung oder die Steuerung flexibler Verbraucher erweitert werden. Voraussetzung sind eine dafür geeignete EcoPhi-Hardwarekonfiguration sowie verfügbare Mess- und Steuerungsschnittstellen der eingebundenen Komponenten. Je nach Projekt können zusätzliche Integrations- oder Engineering-Leistungen erforderlich sein.

Fazit: Lastprofile als Grundlage des Energiemanagements

Ein Lastprofil macht zeitliche Verbrauchs- und Leistungsmuster sichtbar. Es unterstützt die Analyse, Anlagenplanung und Entwicklung aktiver EMS-Strategien. Bei eigener Erzeugung oder Speicherung muss jedoch geprüft werden, ob die Messwerte den tatsächlichen Verbrauch oder lediglich den Nettoleistungsfluss am Netzanschlusspunkt darstellen.

Häufige Fragen zum Lastprofil

Was ist der Unterschied zwischen einem Lastprofil und dem Stromverbrauch?

Der Stromverbrauch beschreibt die innerhalb eines Zeitraums verbrauchte elektrische Energie in Kilowattstunden. Ein Lastprofil zeigt zusätzlich, wann und mit welcher Leistung dieser Verbrauch aufgetreten ist.

Welche Messauflösung ist für ein Lastprofil sinnvoll?

Für langfristige Übersichten können 15-Minuten-Werte ausreichen. Sollen kurze Leistungsspitzen oder dynamische Maschinenabläufe untersucht werden, sind häufig Minuten- oder Sekundenwerte erforderlich.

Zeigt der Netzanschlusspunkt den gesamten Verbrauch?

Nur bei einem reinen Verbrauchsstandort entspricht der gemessene Leistungsfluss näherungsweise dem Gesamtverbrauch. Bei vorhandener PV-Erzeugung oder einem BESS zeigt der Zähler üblicherweise den saldierten Netzbezug beziehungsweise die Netzeinspeisung.

Kann ein Lastprofil einzelne Verbraucher erkennen?

Ein Gesamtlastprofil ermöglicht normalerweise keine eindeutige Zuordnung zu einzelnen Verbrauchern. Dafür werden zusätzliche Messpunkte, Maschinenzustände oder Produktionsdaten benötigt.

Verwandte Artikel

Predictive Maintenance

Battery Management System (BMS)

Datalogger und Controller

Nach oben scrollen