Multi-Market-Ansatz: Batteriespeicher auf mehreren Strommärkten

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Multi-Market-Ansatz?

Ein Multi-Market-Ansatz bezeichnet die koordinierte Vermarktung einer Anlage auf mehreren Strommärkten. Besonders relevant ist dies für Batteriespeicher, deren Lade- und Entladeleistung flexibel eingesetzt werden kann. Typisch ist die Kombination aus Day-Ahead-Handel, Intraday-Handel und Regelreserve. Die Teilnahme kann zeitlich wechseln oder parallel erfolgen, sofern technische Grenzen, Marktregeln und bestehende Verpflichtungen eingehalten werden.

Multi-Market auf einen Blick

  • Ein Multi-Market-Ansatz erschließt unterschiedliche Erlösmöglichkeiten für dieselbe Anlage.
  • Die Optimierung verteilt verfügbare Leistung und Speicherkapazität auf miteinander vereinbare Marktaktivitäten.
  • Handelsoptimierung und lokale Anlagensteuerung übernehmen unterschiedliche Aufgaben und müssen aufeinander abgestimmt sein.

Wie funktioniert die marktübergreifende Optimierung?

Eine marktübergreifende Optimierung bewertet erwartete Preise, Erlöse, Kosten und bereits abgeschlossene Handelsgeschäfte. Gleichzeitig berücksichtigt sie den Ladezustand, die verfügbare Lade- und Entladeleistung, die nutzbare Speicherkapazität und die Grenzen des Netzanschlusses. Daraus ergibt sich, welche Flexibilität in welchem Zeitraum noch angeboten werden kann.

Im Day-Ahead-Handel werden Strommengen für den Folgetag gehandelt. Der Intraday-Handel ermöglicht anschließend kurzfristigere Anpassungen, etwa bei veränderten Preisen oder Prognosen. Bei der Regelreserve wird Flexibilität zur Stabilisierung des Stromsystems bereitgestellt, beispielsweise als Primärregelreserve (FCR) oder automatische Frequenzwiederherstellungsreserve (aFRR).

Im Stromhandel entstehen Erlösmöglichkeiten durch Preisunterschiede. Bei Regelreserve sind die Vergütung der Leistungsvorhaltung und gegebenenfalls die Abrechnung aktivierter Regelarbeit zu unterscheiden. In Deutschland wird FCR über die Leistungsvorhaltung vergütet; bei aFRR bestehen getrennte Leistungs- und Arbeitsmärkte.

Die Optimierung stimmt Gebote und Handelsgeschäfte ab und erstellt Lade- beziehungsweise Entladefahrpläne. Dabei betrachtet sie auch spätere Zeiträume: Eine Entladung kann kurzfristig attraktiv sein, aber die Erfüllung einer späteren Lieferverpflichtung erschweren.

Beispiel: Ein Batteriespeicher hält einen Teil seiner Leistung sowie die erforderliche Energiereserve für Regelreserve bereit. Die verbleibende Flexibilität wird für Stromhandel genutzt. Intraday-Geschäfte können den geplanten Einsatz anpassen, dürfen jedoch zugesagte Reserveleistungen nicht beeinträchtigen.

Ein lokales EMS setzt abgestimmte Fahrpläne und Leistungsvorgaben innerhalb der technischen Grenzen um. Es meldet Messwerte, Betriebszustand und verfügbare Flexibilität an die übergeordnete Optimierung zurück. Diese wird mit aktualisierten Preisen, Prognosen und Betriebsdaten regelmäßig neu berechnet; bestehende Verpflichtungen bleiben dabei berücksichtigt. Für die Regelreserve sind zusätzlich die produktspezifischen Aktivierungs- und Regelungsfunktionen erforderlich.

Wo wird der Multi-Market-Ansatz eingesetzt?

  • Eigenständige Batteriespeicher: Betreiber kombinieren Stromhandel und Regelreserve, um ihre Anlage abhängig von den jeweiligen Erlösmöglichkeiten einzusetzen.
  • Speicher an Erzeugungsstandorten: Bei Photovoltaik- oder Windkraftanlagen wird der Speichereinsatz mit Erzeugungsprognosen und gemeinsam genutzten Netzanschlusskapazitäten abgestimmt.
  • Gebündelte Anlagen: Ein Aggregator kann die Flexibilität mehrerer Anlagen gemeinsam vermarkten. Dabei müssen sowohl die Verpflichtungen des Anlagenpools als auch die Grenzen jedes einzelnen Standorts berücksichtigt werden.

Welche Grenzen und Voraussetzungen sind entscheidend?

Ein Multi-Market-Ansatz kann die wirtschaftliche Nutzung eines Batteriespeichers verbessern und die Abhängigkeit von einzelnen Erlösquellen verringern. Einzelerlöse lassen sich jedoch nicht einfach addieren: Für Regelreserve gebundene Flexibilität steht nicht gleichzeitig uneingeschränkt für Arbitrage zur Verfügung, also für das Nutzen von Preisunterschieden durch Laden und späteres Entladen. Neben ausreichender Leistung müssen auch die erforderliche gespeicherte Energie und freie Aufnahmekapazität gesichert sein.

Die Teilnahme an Regelreservemärkten erfordert produktspezifische technische Nachweise und eine entsprechende Präqualifikation. Vorhalte- und Lieferverpflichtungen bleiben verbindlich. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich nach Markt und Produkt.

Technisch benötigt die Umsetzung verlässliche Messdaten, steuerbare Komponenten und geeignete Kommunikationsschnittstellen. Fahrpläne, Echtzeitvorgaben, Betriebsgrenzen und das Verhalten bei Kommunikationsausfällen müssen eindeutig abgestimmt sein. Nicht mehr verfügbare Flexibilität muss zeitnah zurückgemeldet werden.

Wirtschaftlich zählt der Erlös nach Abzug von Energiebezug, Umwandlungsverlusten, Batterieverschleiß sowie Handels- und Vermarktungskosten. Hinzu kommen gegebenenfalls weitere standortabhängige Kosten. Mehr Märkte garantieren deshalb keine höheren Gewinne.

Welche Rolle übernimmt EcoPhi?

EcoPhi kann die lokale Monitoring-, Kommunikations- und Steuerungsebene unterstützen: Betriebsdaten erfassen, mit übergeordneten Systemen austauschen und abgestimmte Leistungsvorgaben innerhalb technischer Grenzen umsetzen.

Die verfügbaren Geräteschnittstellen, unterstützten Vermarkteranbindungen, Fahrplanformate und Steuerungsprioritäten sowie der erforderliche Integrationsaufwand müssen projektspezifisch geprüft und bestätigt werden. Eine solche EMS-Integration übernimmt nicht automatisch die Handelsoptimierung, den Börsenzugang oder die Bilanzkreisverantwortung. Diese Aufgaben müssen durch die jeweils zuständigen Marktpartner abgedeckt werden.

Multi-Market zusammengefasst

Der Multi-Market-Ansatz koordiniert mehrere Vermarktungsmöglichkeiten für dieselbe Anlage. Sein Nutzen hängt davon ab, ob zusätzliche Erlöse die Kosten und Einschränkungen übersteigen. Entscheidend sind eine realistische Bewertung der verfügbaren Flexibilität und die zuverlässige Abstimmung zwischen Marktverpflichtungen und Anlagenbetrieb.

Häufige Fragen zum Multi-Market-Ansatz

Was unterscheidet Multi-Market von Multi-Use?

Multi-Market bezeichnet die Teilnahme an mehreren Strommärkten. Multi-Use beschreibt die Kombination mehrerer Speicheranwendungen; dazu können auch Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung oder Ersatzstromreserve gehören. Diese lokalen Anwendungen sind keine eigenen Strommärkte, beanspruchen aber ebenfalls Speicherleistung und Energie.

Muss ein Batteriespeicher an allen Märkten teilnehmen?

Nein. Welche Märkte kombiniert werden, hängt von der technischen Eignung, den Zugangsvoraussetzungen und der erwarteten Wirtschaftlichkeit ab. Auch die Kombination aus Day-Ahead- und Intraday-Handel ist ein Multi-Market-Ansatz.

Ist ein eigener Börsenzugang erforderlich?

Nicht zwingend. Die Vermarktung kann über einen Dienstleister mit entsprechendem Marktzugang erfolgen. Verantwortlichkeiten für Handel, Bilanzierung und Anlagenbetrieb müssen vertraglich und technisch geklärt sein.

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