Inhaltsverzeichnis

Modbus ist ein weit verbreitetes Kommunikationsprotokoll zur Übertragung von Messwerten, Statusinformationen und Steuerbefehlen zwischen technischen Geräten und übergeordneten Systemen. Modbus TCP nutzt Ethernet und TCP/IP, während Modbus RTU die Daten seriell überträgt, meistens über eine RS-485-Busleitung.

Modbus TCP und Modbus RTU auf einen Blick

  • Modbus wird im Energiebereich häufig zur Kommunikation mit PV-Wechselrichtern, Batteriespeichersystemen (BESS), Energiezählern, Schutzgeräten, Generatorsteuerungen und Ladeinfrastruktur eingesetzt.
  • Ein Client fragt definierte Datenpunkte ab oder schreibt Werte in freigegebene Register. Der angesprochene Server verarbeitet die Anfrage und sendet eine Antwort.
  • Modbus TCP verwendet IP-Netzwerke, während Modbus RTU mit Geräteadressen und einer seriellen Busverbindung arbeitet.
  • Modbus standardisiert den Datentransport, legt aber nicht allgemeingültig fest, welche Bedeutung die einzelnen Register eines Geräts haben.

Wie funktioniert Modbus?

Die Kommunikation folgt einem Anfrage-Antwort-Verfahren. Ein Client – in älteren Dokumentationen als Master bezeichnet – sendet eine Anfrage an einen Server beziehungsweise Slave. Die Anfrage enthält unter anderem einen Funktionscode, den relevanten Adressbereich sowie die Anzahl der zu lesenden oder zu schreibenden Datenpunkte.

Die Informationen eines Geräts werden in unterschiedlichen Datenbereichen abgebildet:

  • Coils sind einzelne les- und schreibbare Binärwerte.
  • Discrete Inputs sind einzelne, nur lesbare Binärwerte.
  • Input Registers enthalten nur lesbare 16-Bit-Werte.
  • Holding Registers sind im Modbus-Datenmodell les- und schreibbare 16-Bit-Werte. Sie können Mess-, Status-, Soll- oder Konfigurationswerte enthalten. Ob ein bestimmtes Register tatsächlich beschrieben werden darf, hängt von der Geräteimplementierung und den erteilten Freigaben ab.

Über diese Datenbereiche lassen sich beispielsweise Wirkleistung, Energie, Spannung, Strom, Frequenz, Betriebszustände und Fehlermeldungen übertragen. Bei einem BESS können zusätzlich Ladezustand, verfügbare Lade- und Entladeleistung oder Betriebsgrenzen bereitgestellt werden. Schreibbare Register können unter anderem Wirk- und Blindleistungssollwerte aufnehmen.

Welche Register welche Informationen enthalten, bestimmt der jeweilige Gerätehersteller. Für die korrekte Interpretation werden deshalb eine passende Registerliste und Angaben zu Datentyp, Skalierungsfaktor, Einheit, Vorzeichen und Byte-Reihenfolge benötigt. Auch unterschiedliche Zählweisen bei Registeradressen können zu fehlerhaften Zuordnungen führen.

Was unterscheidet Modbus TCP von Modbus RTU?

Beide Varianten verwenden grundsätzlich dasselbe Modbus-Datenmodell, unterscheiden sich jedoch bei der Übertragung und bei der technischen Inbetriebnahme.

MerkmalModbus TCPModbus RTU
ÜbertragungEthernet und TCP/IPSeriell, meistens RS-485
AdressierungIP-Adresse und gegebenenfalls Unit IdentifierGeräteadresse auf dem Bus
TopologieEthernet-NetzwerkLinienförmige Busstruktur
GeschwindigkeitHöhere Übertragungsrate des Netzwerks; Aktualisierungsrate zusätzlich vom Gerät und Abfragezyklus abhängigDurch Baudrate, Busaufbau und Teilnehmerzahl begrenzt
ReichweiteAbhängig von der NetzwerkinfrastrukturAbhängig von Baudrate, Leitungsqualität und Busaufbau
Typische FehlerIP-Konfiguration, Firewall oder NetzwerkausfallPolarität, Terminierung, Baudrate oder Leitungsstörungen

Bei Modbus TCP wird die Modbus-Nachricht um einen MBAP-Header ergänzt und über TCP/IP übertragen. Modbus RTU verwendet dagegen einen seriellen Nachrichtenrahmen mit Geräteadresse und CRC-Prüfsumme. Die CRC-Prüfung dient dazu, Übertragungsfehler innerhalb des empfangenen RTU-Rahmens zu erkennen.

Wo wird Modbus im Energiebereich eingesetzt?

Modbus verbindet Feldgeräte häufig mit einem EMS, Datenlogger, SCADA-System oder einer speicherprogrammierbaren Steuerung. Typische Anwendungen sind:

  • Anlagenmonitoring: Messwerte und Betriebszustände von Wechselrichtern, Energiezählern, Schutzgeräten oder Generatoren werden regelmäßig ausgelesen.
  • BESS-Integration: Ein übergeordnetes System erfasst Ladezustand, Leistung und Betriebsgrenzen und kann bei freigegebener Schnittstelle Sollwerte übertragen.
  • Energie- und Leistungsregelung: Messwerte am Netzanschlusspunkt dienen als Grundlage für Funktionen wie Eigenverbrauchsoptimierung oder Leistungsbegrenzung.
  • Ladeinfrastruktur: Energiezähler und kompatible Ladegeräte können zur Erfassung von Leistungswerten oder zur Umsetzung definierter Steuerbefehle eingebunden werden.

Vorteile, Grenzen und technische Voraussetzungen

Modbus ermöglicht die Integration vieler Geräte unterschiedlicher Hersteller. Die weit verbreitete Protokollstruktur erleichtert den Datenaustausch, garantiert jedoch kein einheitliches Datenmodell. Für jeden Gerätetyp muss deshalb geprüft werden, welche Register vorhanden sind und wie sie interpretiert werden.

Bei Modbus RTU müssen Baudrate, Parität, Geräteadresse, Polarität, Verkabelung und Abschlusswiderstände zusammenpassen. Bei Modbus TCP sind unter anderem IP-Adressen, Netzwerksegmentierung, Routing und Firewall-Regeln zu berücksichtigen.

Klassisches Modbus TCP und Modbus RTU bieten standardmäßig weder Verschlüsselung noch eine belastbare Authentifizierung. Mit Modbus Security existiert zwar eine TLS-basierte Variante mit zertifikatsbasierter Authentifizierung, sie wird jedoch nicht von allen Geräten unterstützt. Für klassische Modbus-TCP-Installationen bleiben Netzwerksegmentierung, Firewalls und gesicherte Fernzugänge daher besonders wichtig.

Ein beschreibbares Register ermöglicht außerdem nicht automatisch eine sichere Anlagensteuerung. Sollwerte müssen auf zulässige Wertebereiche, Betriebsgrenzen und Kommunikationsfehler geprüft werden. Die tatsächliche Umsetzung sollte anschließend anhand verfügbarer Rückmeldungen und Messwerte überwacht werden.

Wie nutzt EcoPhi Modbus?

EcoPhi kann Geräte über Modbus TCP und Modbus RTU anbinden und die verfügbaren Datenpunkte in ein einheitliches Anlagenmodell überführen. Dadurch lassen sich Messwerte und Betriebszustände verschiedener Komponenten gemeinsam überwachen, auswerten und für EMS-Funktionen verwenden.

Wenn ein Gerät geeignete und freigegebene Schreibschnittstellen bereitstellt, kann EcoPhi auch Sollwerte übertragen. Eine Prüfung der tatsächlichen Umsetzung ist möglich, sofern das Gerät dafür geeignete Status- oder Messwerte zurückliefert. Der konkrete Funktionsumfang hängt von Registerdokumentation, Firmware, Gerätekonfiguration und Kommunikationsfreigaben ab. Bei neuen oder proprietären Registermodellen kann eine projektspezifische Integration erforderlich sein.

Modbus TCP und Modbus RTU zusammengefasst

Modbus TCP und Modbus RTU ermöglichen den Austausch technischer Daten zwischen Feldgeräten und übergeordneten Systemen. Eine zuverlässige Integration setzt eine korrekte Registerdokumentation, fehlerfreie Dateninterpretation sowie ein geeignetes Kommunikations-, Sicherheits- und Steuerungskonzept voraus.

Häufig gestellte Fragen

Ist Modbus TCP schneller als Modbus RTU?

Modbus TCP nutzt in der Regel ein Netzwerk mit höherer Übertragungsrate und kann – abhängig vom jeweiligen Gerät – mehrere gleichzeitige Verbindungen unterstützen. Die erreichbare Aktualisierungsrate hängt jedoch auch vom Gerät, der Registeranzahl, den Abfrageintervallen und der Netzwerkauslastung ab.

Können Modbus-TCP- und Modbus-RTU-Geräte miteinander kommunizieren?

Nicht direkt, da beide Varianten unterschiedliche Übertragungswege verwenden. Ein Modbus-Gateway kann Anfragen zwischen Ethernet und einer seriellen Busverbindung umsetzen.

Warum wird für jedes Modbus-Gerät eine Registerliste benötigt?

Modbus definiert, wie Daten gelesen oder geschrieben werden, aber nicht einheitlich, an welcher Adresse ein bestimmter Messwert liegt. Die Registerliste beschreibt die Zuordnung sowie Datentyp, Skalierung, Einheit und Zugriffsrechte.

Kann Modbus zur aktiven Anlagensteuerung verwendet werden?

Ja, wenn das Gerät geeignete beschreibbare Register und eine freigegebene Steuerungsschnittstelle bereitstellt. Für einen sicheren Betrieb müssen Sollwerte plausibilisiert, Kommunikationsfehler behandelt und die Reaktionen des Geräts überwacht werden.

Verwandte Artikel

C&I Monitoring

Wechselrichter

Wärmepumpe

Nach oben scrollen