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Kurze Definition

Energiemonitoring bezeichnet die systematische Erfassung, Übertragung, Speicherung, Auswertung und Visualisierung von Energieflüssen. Es macht sichtbar, wann, wo und in welcher Höhe Energie bezogen, erzeugt, verteilt oder verbraucht wird. Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt auf dem Monitoring elektrischer Energie. Abhängig vom Messkonzept können jedoch auch weitere Energieträger und Medien wie Gas, Wärme, Kälte oder Druckluft einbezogen werden.

Ein reines Energiemonitoring greift nicht aktiv in den Anlagenbetrieb ein, sondern schafft eine belastbare Datengrundlage für Analysen und spätere Optimierungsmaßnahmen.

Energiemonitoring auf einen Blick

  • Energiezähler erfassen elektrische Messwerte für Standorte, Bereiche oder einzelne Verbraucher.
  • Eine Monitoringplattform bereitet die Daten als Lastgänge, Energiebilanzen, Kennzahlen und Alarmierungen auf.
  • Im industriellen Umfeld lassen sich unter anderem Produktionsanlagen, Gebäudetechnik, Kühlung, Druckluftsysteme und Ladeinfrastruktur getrennt auswerten.
  • Ein geeignetes Messkonzept und eine verlässliche Datenqualität sind entscheidend für die Aussagekraft der Ergebnisse.

Funktionsweise

Die Datenerfassung beginnt an definierten Messpunkten. Hauptzähler erfassen beispielsweise den Energiebezug und die Einspeisung eines gesamten Standorts. Unterzähler bilden einzelne Hallen, Produktionslinien, Maschinen, Gebäudebereiche oder Versorgungssysteme ab.

Je nach Messgerät können unterschiedliche elektrische Messgrößen zur Verfügung stehen. Dazu gehören unter anderem Wirkleistung, Wirkenergie, Blindenergie, Spannung, Strom, Leistungsfaktor und gegebenenfalls Netzfrequenz. Welche Werte tatsächlich erfasst werden, hängt vom verwendeten Zähler, dessen Einbauort und dem jeweiligen Messkonzept ab.

Messwerte werden je nach Gerät über Modbus TCP, Modbus RTU, M-Bus oder Programmierschnittstellen (APIs) an ein lokales Gateway oder eine Monitoringplattform übertragen. Impulsschnittstellen stellen dagegen in der Regel lediglich Zählimpulse bereit, aus denen Energiemengen abgeleitet werden können. Vollständige Messwertsätze mit Größen wie Spannung, Strom, Blindleistung oder Leistungsfaktor lassen sich darüber üblicherweise nicht übertragen.

Das Monitoring erfasst die Daten mit Zeitstempeln und speichert sie für historische Auswertungen. Je nach Anwendung können Rohdaten in unterschiedlichen Zeitintervallen gespeichert oder zu Minuten-, Stunden-, Tages- und Monatswerten verdichtet werden. Dashboards stellen beispielsweise aktuelle Leistungen, historische Lastgänge, Energieverteilungen, Kennzahlen und standortbezogene Vergleiche dar. Mithilfe von Schwellenwerten oder Referenzprofilen können auffällige Abweichungen erkannt und Meldungen ausgelöst werden.

Zählerhierarchien ordnen den Gesamtverbrauch den jeweiligen Unterverbrauchern zu. So lässt sich beispielsweise bestimmen, welcher Anteil des Energieverbrauchs auf die Produktion, die Kälteversorgung, die Gebäudetechnik oder die Drucklufterzeugung entfällt.

Differenzen zwischen einem Hauptzähler und der Summe der erfassten Unterzähler müssen nicht zwangsläufig auf einen Fehler hinweisen. Sie können auch durch nicht separat gemessene Verbraucher, Messabweichungen, Übertragungsverluste oder unterschiedliche Mess- und Speicherintervalle entstehen.

Aussagekräftige Ergebnisse setzen korrekt platzierte Messpunkte, einheitliche Messrichtungen, synchronisierte Zeitstempel und eine eindeutige Zählerzuordnung voraus. Auch Messintervalle, Datenauflösung und Messgenauigkeit müssen zur vorgesehenen Auswertung passen.

Typische Anwendungsfälle

  • Verbrauchstransparenz in der Produktion: Maschinen, Anlagen oder Produktionslinien werden getrennt erfasst, um den Energiebedarf einzelner Verbraucher und Zeiträume zu vergleichen. In Verbindung mit Betriebs- oder Produktionsdaten kann der Energieverbrauch zusätzlich Schichten, Produkten oder Aufträgen zugeordnet werden.
  • Überwachung technischer Infrastruktur: Gebäudetechnik, Kühlung, Lüftung und Druckluftsysteme lassen sich auf hohe Grundlasten, ungewöhnliche Laufzeiten und vermeidbare Verbräuche außerhalb der Betriebszeiten untersuchen.
  • Analyse von Lastprofilen: Historische Lastgänge zeigen Lastspitzen, wiederkehrende Verbrauchsmuster und Abweichungen gegenüber Referenzwerten.
  • Überwachung von Ladeinfrastruktur: Der Energieverbrauch einzelner Ladepunkte oder Ladebereiche kann erfasst und Zeiträumen zugeordnet werden. Sofern Identifikations- oder Abrechnungsdaten verfügbar sind, ist zusätzlich eine Zuordnung zu Fahrzeugen oder Nutzergruppen möglich.
  • Standortübergreifende Auswertung: Einheitliche Kennzahlen ermöglichen den Vergleich mehrerer Gebäude, Filialen oder Produktionsstandorte, sofern Messkonzept, Datenauflösung und Bilanzgrenzen vergleichbar sind.
  • Grundlage für Energieoptimierungen: Die erfassten Daten können genutzt werden, um technische oder organisatorische Maßnahmen vorzubereiten und ihre Wirkung anschließend zu überprüfen.

Abgrenzung zu Anlagenmonitoring, Steuerungslösung und EMS

Energiemonitoring konzentriert sich auf die Erfassung und Auswertung von Energieflüssen. Es zeigt, wann, wo und in welcher Höhe Energie bezogen, erzeugt oder verbraucht wird.

Ein allgemeines Anlagenmonitoring erfasst und visualisiert neben Energiedaten häufig weitere Informationen wie Betriebszustände, Temperaturen, Fehlermeldungen, Laufzeiten oder Produktionskennzahlen. Eine aktive Steuerung ist üblicherweise nicht Bestandteil des reinen Anlagenmonitorings.

Eine Monitoring- und Steuerungslösung kombiniert die Datenerfassung und Auswertung mit aktiven Eingriffsmöglichkeiten. Sie kann beispielsweise Sollwerte übertragen, Verbraucher ein- oder ausschalten oder deren Leistung begrenzen.

Ein EMS geht über die einfache Steuerung einzelner Anlagen hinaus. Es koordiniert mehrere Energieerzeuger, Speicher und Verbraucher anhand definierter Ziele, Regeln, Messwerte und Betriebsgrenzen. Dazu können beispielsweise die Begrenzung von Lastspitzen, die Optimierung des Eigenverbrauchs oder die preisabhängige Steuerung eines BESS gehören.

Energiemonitoring kann die erforderliche Datengrundlage für solche Optimierungen liefern. Die eigentliche Steuerung erfordert jedoch zusätzliche Funktionen, geeignete Geräteschnittstellen und eine definierte Steuerungslogik.

Nutzen, Grenzen und technische Voraussetzungen

Energiemonitoring kann Einsparpotenziale sichtbar machen, Vergleichsgrößen liefern und ungewöhnliche Verbrauchsmuster aufdecken. Es ermöglicht beispielsweise die Identifikation hoher Grundlasten, unnötiger Anlagenlaufzeiten oder auffälliger Verbrauchsanstiege. Außerdem können umgesetzte Maßnahmen anhand historischer Daten überprüft und verschiedene Betriebszeiträume miteinander verglichen werden.

Die Messdaten allein senken den Energieverbrauch jedoch nicht. Einsparungen entstehen erst durch geeignete organisatorische, technische oder automatisierte Maßnahmen.

Die Aussagekraft hängt wesentlich vom Messkonzept ab. Fehlende Unterzähler, vertauschte Messrichtungen, Datenlücken oder uneinheitliche Zeitintervalle können Energiebilanzen und Vergleiche verfälschen. Erforderlich sind geeignete Energiezähler, passende Kommunikationsschnittstellen, eine stabile Datenübertragung, eine konsistente Zählerhierarchie und eine ausreichend genaue Zeitsynchronisation.

Für belastbare Vergleiche müssen außerdem Betriebszeiten, Produktionsmengen, Anlagenzustände und Bilanzgrenzen berücksichtigt werden. Ein höherer Energieverbrauch ist beispielsweise nicht automatisch ein Zeichen geringerer Effizienz, wenn im gleichen Zeitraum auch die Produktionsmenge gestiegen ist. Für produktionsbezogene Kennzahlen müssen die Energiedaten deshalb mit geeigneten Betriebs- oder Produktionsdaten verknüpft werden.

Umsetzung mit EcoPhi

EcoPhi kann Energiezähler und weitere Messgeräte verschiedener Hersteller anbinden und die Messdaten einzelner Maschinen, Bereiche oder Standorte in einer gemeinsamen Plattform zusammenführen. Die Daten können über Dashboards, historische Auswertungen, Lastgänge und Alarmierungen bereitgestellt werden.

Welche Messwerte, Übertragungsintervalle und Schnittstellen verfügbar sind, hängt von den eingesetzten Geräten und dem projektspezifischen Messkonzept ab. Für eine aussagekräftige Darstellung müssen Messpunkte, Zählerhierarchien und Bilanzgrenzen bei der Projektplanung eindeutig definiert werden.

EcoPhi kann neben reinen Monitoringfunktionen auch zusätzliche Steuerungsfunktionen für Verbraucher, PV-Anlagen oder BESS bereitstellen. Dafür sind geeignete Geräteschnittstellen und eine projektspezifisch definierte Steuerungslogik erforderlich.

Kurze Zusammenfassung

Energiemonitoring macht Energieflüsse in Unternehmen transparent und schafft die Grundlage für Verbrauchsanalysen, Vergleiche und die Erkennung ungewöhnlicher Verbrauchsmuster. Entscheidend sind ein geeignetes Messkonzept, eine verlässliche Datenübertragung und eine konsistente Zuordnung der Messwerte. Für schicht-, auftrags- oder nutzerbezogene Auswertungen werden zusätzliche Betriebs-, Produktions- oder Identifikationsdaten benötigt. Aktive Optimierungen setzen weiterführende Steuerungsfunktionen oder ein EMS voraus.

Häufige Fragen zum Energiemonitoring

Was ist der Unterschied zwischen Energiemonitoring und einem EMS?

Energiemonitoring erfasst, speichert und visualisiert Energieflüsse. Ein EMS kann darüber hinaus Anlagen anhand definierter Ziele, Messwerte, Betriebsgrenzen und Regeln aktiv koordinieren.

Welche Verbraucher können industriell überwacht werden?

Typische Beispiele sind Produktionsmaschinen, Gebäudetechnik, Kühlanlagen, Druckluftsysteme, Ladeinfrastruktur und einzelne Gebäudebereiche. Voraussetzung ist jeweils ein geeigneter Messpunkt oder eine verlässliche Geräteschnittstelle.

Reicht der Hauptzähler eines Standorts für Energiemonitoring aus?

Ein Hauptzähler zeigt den Gesamtverbrauch, erlaubt aber in der Regel keine eindeutige Zuordnung zu einzelnen Verbrauchern. Für detaillierte Analysen werden deshalb Unterzähler und eine passende Zählerhierarchie benötigt.

Können Energieverbräuche einzelnen Aufträgen zugeordnet werden?

Ja, sofern neben den Energiedaten auch geeignete Betriebs- oder Produktionsdaten verfügbar sind. Dazu können beispielsweise Auftragszeiten, Maschinenbelegungen, Produktionsmengen oder Zustandsdaten gehören.

Führt Energiemonitoring automatisch zu Energieeinsparungen?

Nein. Energiemonitoring zeigt Einsparpotenziale und Auffälligkeiten auf. Tatsächliche Einsparungen entstehen erst durch darauf aufbauende betriebliche, technische oder automatisierte Maßnahmen.

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